Herbert Wagner
Facharzt für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe
Eisenbahnstr. 52
50189 Elsdorf
Tel.: 02274 7927

 

 

 

Empfängnis-verhütung
Schwangerschaft
Kinderwunsch
gynäkologische Infektionen
diverse Themen
 
 

 

Sexualstörungen
(Erläuterungen eines Tübinger Sexualtherapeuten, Quelle: Internet)

1. Um welche Störungen geht es?
Am meisten verbreitet sind Störungen im Bereich der Lust, der Erregung und des Orgasmus, welche unabhängig voneinander oder kombiniert auftreten können. Die Schwierigkeiten sind generell (schon bei der Masturbation), partnerbezogen oder partnerunabhängig. Frauen leiden z. B. unter: mangelnder Erregbarkeit, nicht zum Höhepunkt kommen, Hemmungen der Lust, kein Interesse bis hin zu Abneigung oder Ekel, Schmerzen beim oder nach dem Verkehr, teilweise in Verbindung mit psychosomatisch bedingten gynäkologischen Problemen, wie z. B. hartnäckigem Genitalpilz. Seltener ist durch Vaginismus (Scheidenkrampf) Sexualverkehr gar nicht möglich. Weiter gibt es Ängste und Phobien in sexuellen Situationen mit einem Partner.
Bei Männern sind Erektionsstörungen oder vorzeitiger Samenerguß sehr verbreitet, seltener allgemeine Unlust oder Schmerzen beim Sex, öfter überhöhte Ansprüche an sich selbst und/oder die Partnerin. Seltener anzutreffen, sind Probleme mit der eigenen Homosexualität, Transsexualität, Fetischismus, Transvestitismus, Exhibitionismus, Pädophilie, Sexsucht.
Als Folge sexueller Mißerfolgserlebnisse bilden sich oft Erwartungs- und Versagensängste, belastende Unzufriedenheit des Partners, Vermeidung, Verlust des Selbstwertgefühls bis hin zu Depressionen und Beziehungskrisen, welche in einem Teufelskreis weitere Störungen nach sich ziehen.

2. Wie kommt es zu sexuellen Störungen?
Vielfältige Bedingungen können einzeln oder kombiniert zur Entstehung beitragen: Hemmende sexualfeindliche Erziehung auf unterschiedlichem religiösem-kulturellem Hintergrund und negative elterliche Vorbilder, sexueller Kindesmißbrauch, fehlende oder belastende sexuelle Erfahrung in der Jugend oder spätere traumatische sexuelle Gewalterlebnisse, aber auch Zusammenziehen der Partner, Schwangerschaft, alptraumhafte Geburtserlebnisse sowie allgemein berufliche oder private Überlastung, z. B. wie ein anstrengender Säugling oder ein unzufriedener problematischer Partner kann obengenannte Störungen heraufbeschwören. Seltener ist: "Es war schon immer so", "ich hatte noch nie Interesse an Sex" und "könnte gut leben ohne".

Aber auch anstrengende sexuelle Leistungsansprüche können vom Kopf her den ansonsten spontan ablaufenden sexuellen Erregungsprozeß blockieren, ebenso auch empfundene Gefahren und Risiken des sexuellen Kontaktes wie z. B. Schwangerschaft, Aids, von anderen überrascht werden.

3. Zur Therapie
In den ersten Kontakten werden im Einzelgespräch und mit Fragebögen die Geschichte des Problems und die Hintergrundinformationen zusammengestellt und gegebenenfalls ein Besuch beim Gynäkologen oder Urologen zur Abklärung vorgeschlagen. Auch die Befragung des Partners ist oft wichtig und bringt zusätzliche Informationen. Die Schweigepflicht des Therapeuten gilt selbstverständlich auch gegenüber dem Partner und auch außereheliche Erfahrungen sind von Interesse.

Sind die Grundbedingungen für eine "Sexualtherapie" erfüllt?
Als langjähriger früherer Mitarbeiter der Pro Familia-Beratungsstelle in Kirchheim/Teck sehe ich eine besondere Wichtigkeit in einer gesicherten Empfängnisverhütung und dem Schutz vor gefährlichen Virusinfektionen wie Aids und Hepatitis B und C. Weiter sollen keine aktuellen organischen Ursachen vorliegen bzw. medizinische Behandlungsmöglichkeiten wurden versucht oder werden kombiniert angewendet, z. B. Hormone, Viagra, spezielle Psychopharmaka gegen Angst und Depressionen. Es sollte auch keine Alkohol- oder Drogensucht sowie schwere Depressionen oder Psychose vorliegen. Wichtig ist eine allgemein ausreichende positive Beziehungsgrundlage mit Zeit für Kontakt, ca. drei Mal eine Stunde pro Woche zu Hause und für Therapiesitzungen einmal pro Woche 50 Minuten. Auch sollte die "Wellenlänge" zwischen Therapeut und KlientIn stimmen. Die Therapeut-Klienten-Beziehung soll vertrauensvoll und offen sein. Können sich Klienten wegen Streit, Überlastung, Depression und allgemeiner Beziehungsprobleme nicht auf die körperliche Ebene einlassen, werden wir zunächst diese Probleme schwerpunktmäßig angehen. Die Ansätze des Paartherapiekonzeptes, welches von Dr. Hans Jellouschek und Margarete Kohaus-Jellouschek auf dem Hintergrund systemischer Familientherapie und Transaktionsanalyse entwickelt wurde, erscheinen mir neben dem strukturierten Verhaltenstherapie-Kommunikationstraining von Prof. Dr. Dirk Zimmer u. a. am effektivsten.
In aufeinander aufbauenden Schritten, wie schon bei Masters und Johnson, stehen zunächst Entspannung, Angstabbau und die Ermöglichung angenehmer Empfindungen im Vordergrund, bevor in weiteren Teilschritten intensivere sexuelle Verhaltensweisen in die Anleitungen für Zuhause einbezogen werden. Um den destruktiven Teufelskreis von Mißerfolg, Enttäuschung und Versagensangst zu durchbrechen, dürfen die Partner zunächst in vielen Fällen wirklich nicht über die allgemeine und abwechselnde nichtsexuelle Partnermassage hinausgehen. Aktiv und passiv geben und nehmen ist hier für beide gleich verteilt und eine spezielle Abfolge von 6 Teilschritten gibt den Partnern für die Dreiviertelstunde zu Hause Struktur und Sicherheit. Die gemachten Erfahrungen werden dann in der wöchentlichen Therapiesitzung besprochen. So wird es auch für die späteren intensiveren sexuellen Verhaltensweisen schrittweise leichter, entspannter darüber zu reden, spezifische Wünsche zu äußern, Rückmeldung zu geben oder auch Anleitungen an den Partner ohne Tabu. Jeder soll sich trauen lernen, seine Phantasie kreativ auszuprobieren.

Unter Alltagsbedingungen ist es nicht immer leicht, dreimal pro Woche eine störungsfreie Zeit zu finden, angenehme Atmosphäre zu schaffen und entsprechende Stimmung zu erzeugen. Teilweise rücken auch tieferliegende Partnerkonflikte in den Vordergrund, wenn es um das Handeln geht. In der direkten körperlichen Begegnung werden teilweise auch deutlichere Gefühle ausgelöst und offenbar. Anfängliche Unsicherheiten, Aversion oder Mißempfindungen können sich durch dabeibleiben aber auch auflösen.

Und wenn kein Partner da ist oder er oder sie nicht mitkommen will, weil: "ich bin doch nicht verrückt und geh' zum Seelenklemptner, das ist doch Dein Problem!"?

Ein Teil des Veränderungsprozesses besteht sowieso in Selbsterfahrungspraxis des einzelnen von Entspannungsmethoden, Aufbau von Selbsterregungsmöglichkeiten und hinzukommenden mentalen Training und Phantasie. Für den individuellen Fall werden wiederum speziell abgestimmte Teilschritte entwickelt und die Erfahrungen in den Therapiesitzungen besprochen. Zur Bearbeitung von inneren hemmenden Anteilen u. a. elterlichen Verboten, Vorschriften oder traumatischen Erlebnissen können auch Methoden aus dem NLP der Hypnotherapie, EMDR - eine neue Methode zur Verarbeitung traumatischer Erinnerungen, Gestalttherapie und Transaktionsanalyse zum Einsatz kommen.

Mit besserem sexuellen Selbstwertgefühl ist es eine Frage der Zeit und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen, um eine Partnerschaft zu erreichen.

4. Wie lange dauert eine Therapie?
Manchmal nur einige Termine, meist aber zwischen 20 und 60 Sitzungen, bei schwerwiegenden Problemen wie z. B. belastender Trennung, sexuellem Mißbrauch als Kind und Depression kann auch die Höchstgrenze der gesetzlichen Krankenkassen von maximal 80 Sitzungen a 50 Minuten Verhaltenstherapie nötig werden. Die Dauer hängt auch von der Häufigkeit häuslicher körperlicher und sexueller Übungsaktivität ab. Im Rahmen des Ausbildungsprogrammes der Uniklinik Hamburg wird eine stringente Paartherapie bei täglichen Sitzungen unter Urlaubsbedingungen ohne Kinder nach 18 Tagen beendet. Entsprechend zielorientiert und an den praktischen Erfahrungen bleibend ist der Einsatz der Beteiligten. (Nur ca. 12 Paare pro Jahr werden in den Hamburger Sommerferien angenommen).

Die Therapiedauer hängt weiter auch mit der Art der Probleme zusammen. So ist der Vaginismus (Scheidenkrampf), bei welchem noch nie Geschlechtsverkehr möglich war, oder den Orgasmus noch nie erreicht zu haben und die plötzlich aufgetretene Erektionsstörung in aller Regel wesentlich einfacher und erfolgreicher zu verändern, als die nach 10 bis 15 Ehejahren einschleichende Lustlosigkeit mit Erregungs- und Orgasmusstörung. Wichtige Faktoren für Dauer und Therapieerfolg sind auch die sich entwickelnde Offenheit, Experimentierfreudigkeit, Motivation und positive Grundstimmung der Beteiligten. Auch die Qualität der eventuellen Partnerbeziehung und die therapeutische Beziehung sind neben den verwendeten Methoden ausschlaggebend. Auch ist nicht jeder Zeitpunkt der richtige, um sexuelle Probleme anzugehen. Berufliche Überlastung und fehlende Zeit, anstehende Prüfungen, Schwangerschaft, schreiende Kleinkinder, Krankheit oder andere belastende Lebensumstände stellen möglicherweise andere, existentiellere Themen dar.

Und wenn gar nichts mehr geht?
Unpassende Partnerkombination stellt sich in der Therapiepraxis auch gelegentlich bald heraus. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet (und sich ständig abmüht, die Beziehung erträglich zu gestalten), ob er oder sie nicht etwas besseres findet (nicht erst mit 60)." Zur Entscheidungsfindung in dieser Frage und zur eventuellen Trennungsbewältigung stehen wiederum spezialisierte Verhaltenstherapie-Konzepte zur Verfügung. Verhandlungsstrategien für eine einvernehmliche Trennung können erarbeitet werden, um mit späterer juristischer Hilfe, falls nötig, die Belastung zu begrenzen.

In einigen Fällen waren die früheren Probleme mit einem neuen passenden Partner nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten bald verschwunden. Neues Spiel - Neues Glück - die zwischen den Ex-Partnern eingeschliffenen negativen Teufelskreise, Mißerfolgserwartung und Enttäuschung konnten vergessen werden.
Wenn die Therapieziele erreicht sind, kann die Therapie jederzeit aufhören, eventuell sind noch 2 bis 3 Gespräche in größeren Abständen sinnvoll, um für sporadische Rückschläge noch Gesprächsmöglichkeiten zu bieten und einen größeren Zeitraum von z. B. einem Dreivierteljahr zu überschauen.

Therapieziel ist übrigens nicht der dreifache gleichzeitige Orgasmus mit Ekstase in 5 Stellungen sondern die Zufriedenheit beider Partner mit ihrem sexuellen Erleben, sich selbst und der Beziehung.

Nachfolgend noch ein paar Lesetips. Nur die wichtigste von mir in der Therapie verwendete und gut lesbare Literatur mit konkreten Anleitungen zur Veränderung wird angegeben.

5. Literatur:

· Jellouschek, H. (1998). Die Kunst als Paar zu leben. Kreuz. ca. 30 DM.
ISBN: 3783111501

· Jellouschek, H. (1998). Wie Partnerschaft gelingt - Spielregeln der Liebe. Herder. ca. 28 DM.
ISBN: 3451266601

· Barbach, L. & Levine, L. Der einzige Weg Oliven zu essen - und andere intime Geständnisse. Ullstein-Tb. ca. 14.90 DM
ISBN: 3548207774

· Lazarus, A. Fallstricke der Liebe - 24 Irrtümer über das Leben zu Zweit. dtv-Tb. ca. 15,50 DM
ISBN: 3423361859

· Jellouschek, H. (1998). Wie Partnerschaft gelingt - Spielregeln der Liebe. Herder. ca. 28 DM.
ISBN: 3451266601

· Friday, N. (1992). Befreiung zur Lust - Frauen und ihre sexuellen Phantasien. Goldmann-Tb. ca. 17 DM
ISBN: 3442124719

© Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
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