Herbert Wagner
Facharzt für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe
Eisenbahnstr. 52
50189 Elsdorf
Tel.: 02274 7927

 

 

 

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Polycystische Ovarien und PCO-Syndrom
Polycystische Ovarien (PCO) sind definitionsgemäß Eierstöcke, die acht oder mehr Follikelcysten bis maximal 10 mm Durchmesser aufweisen und deren Bindegewebe vermehrt ist. 
Beim PCO-Syndrom (PCOS) handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild sondern um eine Gruppe von Symptomen, die einzeln oder in Kombination miteinander auftreten können. Immer ist bei den Patienten mit PCOS die Hormonlage auffällig, meist ist eine Vermehrung männlicher Geschlechtshormone vorhanden.
Bei den Patienteninnen in einer Sterilitätssprechstunde weist jede Vierte einen erhöhten Wert für männlich Hormone (Androgene) auf - u. U. auch ohne nachweisbare polycystische Ovarien.
Neben der Vermehrung der männllichen Hormonen bzw. auffälliger Hormonlage können zum PCO-Syndrom gehören:

  • Blutungsstörungen im Sinne ausbleibender oder seltener Regelblutungen
  • Vermehrte Körperbehaarung vom männlichen Behaarungstyp (Hirsutismus)
  • Übergewicht
  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Veränderungen des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels
  • Haarausfall (Alopezie)
  • Akne    

Was kann man sich ganz einfach erklärt unter dem PCOS vorstellen?
Ganz allgemein kann man sagen: es handelt es sich um eine Hormonregulationsstörung.
Wenn ich Patienten in der Praxis das Prinzip erklären muss, versuche ich es mit folgendem Bild: Die meisten kennen das Prinzip der Temperaturregulation in einer Mietswohnung: es gibt meist ein kleines Kästchen an der Wand, den Thermostaten. Dort stellt man die Temperatur ein, z.B. 25 Grad Celsius. Die Heizung springt an und heizt, bis am Thermostaten 25 Grad erreicht sind und schaltet sich aus (und wieder an, wenn die Temperatur 22 Grad beträgt). Jetzt stelle man sich vor: in der Nähe unter dem Thermostaten würde eine Kerze brennen. Die Heizung ist auf 25 Grad eingestellt, und im Messfühler des Thermostaten wird diese Temperatur erreicht bzw. überschritten. Die Heizung wird also nicht anspringen und heizen, obwohl es im Raum kalt ist. - Übertragen gesehen liegt solch eine Situation beim PCOS vor.

Wie entsteht das PCO-Syndrom?
Einfach ausgedrückt: es liegt eine Hormonregulationsstörung vor, die sich in einem Teufelskreis (circulus vitiosus) immer mehr verstärkt.
Hierbei sind sowohl die regulierenden Hormone für die Heranreifung eines Eibläschens (LH und FSH) und auch die Hormone Östrogen und das chemisch verwandte Hormon Testosteron (männliches Hormon) beteilligt. Weiterhin führt die Ähnlichkeit eines Hormons des Zuckerstoffwechsels zu einem weiteren "Durcheinander".
Dem PCO Syndrom liegen verschiedene hormonelle und zelluläre Fehlkreisläufe zugrunde: Die Follikelreifung ist abhängig von der Verstoffwechseleung (Aromatisierung) bestimmter Vorstufen von Sexualhormonen (C19-Steroide) in speziellen Bezirken (den Granulosazellen) des Eierstocks. Die Intensität dieses Prozesses wird durch Androgene abhängig von der Menge des Vorhandenseins behindert.
Patienten, bei denen das PCO Syndrom auftritt, haben oft in ihrem Stoffwechsel eine weitere Auffälligkeit. Es betrifft den Zuckedrstoffwechsel bzw. das Hormon Insulin. Insulin beeinflusst an den Insulinrezeptoren der Zellmembran den Einstrom von Glucose in das Zellinnere. In einigen Geweben sind die Zellen nur wenig insulinempfänglich (Insulinresistenz); es wird darum vermehrt Insulin produziert, das dann in der gesamten Blutbahn vorliegt. - Im Eierstock erfolgt die Follikelreifung und Steroidhormon-Bildung durch Stimulation der Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren (Insulin-like Growth Factors (IGF I und II)). Da die Wachstumsfaktoren (IGF) dem Insulin strukturell sehr verwandt sind, kommt es dort durch die Anwesenheit von sehr viel Insulin in der Blutbahn zu Wechselwirkungen.
Reifende Follikel bilden normalerweise vermehrt Östrogene. Östrogene vermindern als Rückkopplung die Bildung von Follikel-Stimulierendem-Hormon (FSH) in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und bewirken damit eine Senkung des FSH-Spiegels.  Bei ausreichend hohen Östrogenspiegel bildet die Hypophyse auf Reiz durch eine Gehirnstruktur (Hypothalamus) ein eisprungauslösendes Hormon (Luteinisierendes Hormon, LH). Das Ovar reagiert auf höhere LH-Spiegel mit vermehrter Bildung von männlichen Hormonen (Androgenen) zur Stoppung der Follikelstimulation. Da aber ein sprungreifer Follikel nicht anglegt ist, wird die LH-Produktion weiter gesteigert und damit auch die Androgenproduktion in den sog. Theka-Zellen (LH-Wirkung). Auf den Reiz von zuviel an männlichen Hormonen (Androgenen) kommt es im Ovar zu einer Zunahme der Bindegewebszellen (Theka-Zellen und Tunica albuginea = Eierstock-Hülle) und damit zu einer Verstärkung des Mechanismus mit noch viel höheren Androgensynthese.
Da die Androgene im Fettgewebe in Östrogene umgewandelt werden, wird die Hirnanhangdrüse in der FSH-Produktion unterdrückt und versucht ihrerseits, durch vermehrte LH-Sekretion einen Eisprung auszulösen. Das muss aber vergeblich bleiben, weil kein sprungreifer Follikel vorhanden ist.
Andererseits verursacht die LH-Produktion eine gesteigerte Androgenproduktion in den Eierstöcken, die ihrerseits zu einer Vermehrung der Androgene bildenden Zellen führt und die Follikelreifung behindert.
Die Insulinresistenz verursacht einen diabetogenen (zuckerkrankähnlichen) Stoffwewchel, bei dem Glucose in Fette umgebaut werden kann. Es kommt zu einer Vermehrung des Fettgewebes und damit auch zu einer Erhöhung der Östrogensynthese aus den bereits vermehrten Androgenen.
Männliche Hormone werden normalerweise durch einen Eiweißstoff (das Sexual-Hormon-Bindungs-Globulin (SHBG)) gebunden und inaktiviert. Dummerweise verhindert das vermehrte Vorhandensein von Insulin die Bildung dieses Eiweisskörpers in der Leber, weshalb die Androgene einen hohen Wirkspiegel behalten.
Zusammenfassung: Das PCO-Syndrom basiert also auf einer Follikelreifungsstörung, die ihre Ursache in einer vermehrten Bildung von männlichen Hormonen (Androgenen) haben kann und einer verminderten Empfindlichkeit des Eierstockgewebes auf Insulin.

Die Wirkungen der übersteigerten Androgenproduktion können sich in einer "Vermännlichung" der Frau bemerkbar machen - so zu sagen an Haut und Haar.
Das fatale am PCO-Syndrom ist, dass es über die Follikelreifungsstörung eine Ursache ungewollter Kinderlosigkeit ist, ausbleibende Regelblutungen verursachen kann und reproduktionswillige Paare belastet.
Daneben können natürlich auch die androgenen Nebenwirkungen an Haut und Haaren eine erhebliche Belastung für die Frau, ihre Psyche und ihr soziales Erleben darstellen.   

Therapieansätze - Wie kann man helfen?
Wichtig ist das Therapieziel: Was will man erreichen? (denn prinzipiell muss man, wenn man unter der Erkrankung leidet, keine Therapie durchführen). Und: Besteht Kinderwunsch, ja oder nein?
kein Kinderwunsch:
Einnahme einer bestimmten Antibabypille mit sog. antiandrogenen Wirkstoffen.
Hierdurch werden die köperlichen Merkmale des Zuviels an männlichen Hormonen (unerwünschter Haarwuchs, unreine Haut, Akne) behandelt. Der Therapieerfolg stellt sich aber erst nach 4-6 Monaten der Anwendung des Hormonpräparats ein.
es besteht Kinderwunsch:
Auch wenn keine Behandlung erfolgt, kann eine Schwangerschaft eintreten. Die Wahrscheinlichkeit pro Zyklus sinkt allerdings von 33% (gesunde Frauen) auf 3-5%.
Wichtig ist, die Hirnanhangdrüse und die Eierstöcke bezüglich der PCO-Symptomatik zunächt vorübergehend auszuschalten. Dies geschieht durch Anwendung von Hormonpräparaten, die wie die Antibabypille wirken.
Es klingt zunächst widersinnig, nicht vorhandene Ovulationen durch Ovulationshemmer zu beseitigen. Es führt aber dazu, dass der "Teufelskreis" durchbrochen wird. Nach Absetzen der Hormone entsteht eine Situation, in der wieder bei "null" angefangen werden kann.
Bei leichten Störungen stellt sich wieder ein regelmäßiger Zyklus mit Eisprung ein. Dies kann von Dauer sein, es kann sich aber auch nach mehr oder minder langer Zeit die Hormonregulationsstörung wieder einstellen.
Kommt es nicht auf natürliche Weise zum Entstehen einer Schwangerschaft, wird ein stufenweises Konzept möglichst unter Vermeidung eines wahrscheinlichen Überstimulastionssyndroms empfohlen.
Als Mittel der ersten Wahl wird Clomifen empfohlen. Die kumulativen Schwangerschaftsraten liegen bei 50%.
Nach erfolgloser Clomifen-Therapie werden reine Gonatrotopine eingesetzt werden (FSH),
Bei weiterer Erfolglosigkeit empfiehlt sich eine pulsatile GnRH-Therapie, die die Koppelung zwischen Hypothalamus und Hypophyse unterbricht.
Bei weiterem ergebnislosem Therapie-Verlauf bleibt die chirurgische Intervention mit laparokopischer Zerstörung der persistierenden Follikel mit modifizierten Techniken.
Schließlich bleibt noch die Möglichkeit, Eizellen aus unreifen Follikeln zu gewinnen, und sie in vitro ("Reagenzglas") zur Befruchtungsfähigkeit heranzuzüchten. Anschließend verfährt man wie bei der IVF- oder ICSI-Methode.

Bei
Übergewicht sollte eine Gewichtsreduktion und Verminderung des Fettgewebes im Vordergrund stehen, um die gesteigerte Östrogen- und damit auch LH-Synthese zu blockieren.  

Bei diabetogener Stoffwechsellage wird eine Therapie wie bei Diabetes mellitus Typ II mit oralen Antidiabetika empfohlen, die die Insulinresistenz am Rezeptor herabsetzen und die IGF-Funktionen wieder herstellen.  
 

siehe auch www.wunschkinder.net

 

© Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
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