Herbert Wagner
Facharzt für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe
Eisenbahnstr. 52
50189 Elsdorf
Tel.: 02274 7927

 

 

 

Empfängnis-verhütung
Schwangerschaft
Kinderwunsch
gynäkologische Infektionen
diverse Themen
 
 

 

Mutterpaß ABC
=kurze Erläuterung der medizinischen Fachbegriffe, die im Mutterpaß verwendet werden

Nach der ersten Vorsorgeuntersuchung erhält jede werdende Mutter von ihrem Arzt den 1968 eingeführten und seither mehrfach aktualisierten Mutterpaß. In dieses Untersuchungsheft werden alle im Verlauf der Schwangerschaft und Geburt festgestellten Daten und Befunde eingetragen.
Der Mutterpaß ist immer wieder ergänzt und überarbeitet worden (und wird dies auch noch werden); möglicherweise weichen die hier angegebenen Seitenangaben von dem Ihnen vorliegenden Exemplar ab.

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Serologische Untersuchungen

Blutgruppenzugehörigkeit: Unter ABO wird die Blutgruppe eingetragen und darunter der Rhesusfaktor vermerkt. Jeder Mensch gehört einer der vier Blutgruppen an (A, B, AB oder 0), daneben gibt es noch verschiedene Untergruppen und andere abweichende Blutfakttoren. Einer davon ist der Rhesusfaktor. Er kann positiv Rh-pos.(D+) oder negativ Rh-neg.(D-) sein.

Antikörpersuchtest: Es gibt seltene Blutgruppenbestandteile, die ähnlich dem Rhesusfaktor eine Sensibilisierung im mütterlichen Körper hervorgerufen haben können und dann in der Schwangerschaft zu Kommplikationen führen können. Mit dem Antikörpersuchtest wird nachgewiesen, ob Antikkörper gegen diese Blutgruppenbestandteile bestehen. Selbst wenn der erste Test negativ ausfiel, erfolgt noch eine weitere Kontrolle in der 24.-27. Schwangerschaftswoche.

Röteln-HAH-Test (Röteln-Hämagglutinations-hemmungstest): Mit diesem Bluttest kann festgestellt werden, ob Sie gegen Röteln ausreichend geschützt sind, weil Sie die Krankheit als Kind hatten oder dagegen geimpft wurden (was nicht immer bekannt ist). Liegt der Titerwert bei 1:16 oder darüber, haben Sie genügend Antikörper im Blut und damit eine Immunität gegen Röteln erworben.

Chlamydien: Chlamydien sind Krankheitserreger, die unbemerkt im Gebärmutterhals wachsen können. Wird der Erreger nicht bemerkt, kann das Neugeborene sich im Geburtskanal infizieren (Augeninfektionen etc.). Bei Nachweis kann in der Schwangerschaft therapiert werden.

LSR (Lues-Suchreaktion):Die Lues venera oder Syphilis ist eine gefährliche Geschlechtskrankheit, die eine werdende Mutter auf Ihr ungeborenes Kind übertragen kann. Die Krankheit ist in Mitteleuropa sehr, sehr selten. - Die Mutterschaftsrichtlinien sehen diesen Test vor.

Hbs Ag (Hepatitis B Oberflächen Antigen): durch diesen durch die Richtlinien vorgeschriebenen Test sollen Frauen identifiziert werden, die an Hepatitis B (dauerhaft und meist symptomlos) erkrankt sind. Die Kinder müssen dann nach der Geburt Antikörper erhalten.

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Angaben zu vorangegangenen Schwangerschaften
Spontangeburt: Bezeichnung für eine normale Geburt ohne Hilfe von Saugglocke oder Geburtszange.
Sectio: Sectio caesarea (Kaiserschnitt)
vag. Operation: Geburt mit Saugglocke oder Geburts-Zange
Abort: Fehlgeburt
Abruptio: Schwangerschaftsunterbrechnung (Abtreibung)
Tragzeit: Schwangerschaftsdauer;Verkürzung der Tragzeit = Frühgeburt;
Verlängerung der Tragzeit = Übertragung
EU: Bauchhöhlenschwangerschaft

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Anamnese und Allgemeine Befunde
Gravida: Anzahl aller bisherigen Schwangerschaften, auch derjenigen, die durch Fehl- oder Frühgeburten oder einen Schwangerschaftsabbruch frühzeitig beendet wurden.
Para benennt die Anzahl der bisherigen Geburten (manche Ärzte beziehen dabei die bevorstehende Geburt mit ein). III-Para würde also bedeuten, daß die werdende Mutter bisher drei Kinder zur Welt gebracht hat (bzw. daß die Mutter zwei Kinder zur Weltgebracht hat und die dritte Geburt bevorsteht).
Anamnese (griech. anamnesis = Erinnerung): bisherige Krankengeschichte der Schwangeren
Diabetes: Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
Hypertonie: Bluthochdruck
genetische Krankheiten: erbliche Krankheiten
ZNS (Zentralnervensystem): Gehirn- und Rückenmark
Blutungsneigung: Verzögerung der Blutgerinnung
Thromboseneigung: Bildung von Blutpfropfen innerhalb der Blutgefäße besonders bei Krampfadern
Allergie: Überempfindlichkeitsreaktionen auf bestimmte Substanzen (z.B. Medikamente - wie Antibiotika- oder Narkosemittel)..
Besondere psychische/ soziale Belastung: Familiäre Sorgen, beruflicher Streß, finanzielle Notlagen und Probleme bei der Eingliederung in die Gemeinschaft sind Lebensumstände, die sich auf den Verlauf einer Schwangerschaft negativ auswirken können. Der Arzt sollte über solche Belastungen informiert sein..
Rhesus Inkompatibilität: Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind durch unterschiedliche Rhesusfaktoren (Mutter rh-negativ/KInd Rh-positiv) bei vorhergehenden Geburten
Diabetes mellitus: Wenn eine Schwangere "zuckerkrank" ist, muß die Schwangerschaft besonders intensiv betreut werden. Komplikationen kommen bei diabetischen Müttern häufiger vor.
Adipositas= Fettleibigkeit: Erhebliches Übergewicht kann nicht nur die üblichen Schwangerschaftsbeschwerden verstärken, es begünstigt auch ernstere Störungen - wie Bluthochdruck, EPH-Gestose, Diabetes-, und es erschwert die Geburt.
Kleinwuchs: Liegt vor wenn Sie kleiner als 156 Zentimeter sind. Dem Minderwuchs kann - neben einer familiären Veranlagung - auch eine Stoffwechsel- oder Hormonstörung zugrunde liegen, die nicht ohne Auswirkung auf die Schwangerschaft bleibt.
Skelettanomalien: Veränderungen an der Wirbelsäule, Wachstums- oder Heilungsstörungen am Knochensystem oder anlagebedingte Beckenanomalien können zu Verforumgen des Beckens führen, wodurch der Geburtsvorgang erschwert oder auf vaginalem Wege unmöglich sein könnte.
Zustand nach Sterilitätsbehandlungen: Wenn der jetztigen Schwangerschaft eine ungewollte Kinderlosigkeit vorausging, die durch operative Eingriffe am Uterus oder den Eileitern behoben wurde, ist die Gefahr einer Fehlgeburt oder Extrauterinschwangerschaft erhöht. Nach Sterilitätsbehandlungen mit Hormonen, die den Eisprung auslösen, treten häufiger Mehrlingsschwangerschaften (insbesondere Zwillinge) auf.
Zustand nach Frühgeburt: Wurde ein Baby vor Vollendung der 37.SSW geboren, handelte es sich um eine Frühgeburt. Die auslösenden Ursachen sind vielfältig und im Einzelfall nicht immer bekannt. Wenn aber die Zusammenhänge geklärt sind, können vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, damit es nicht wieder zu einem vorzeitigen Schwangerschaftsende kommt.
Zustand nach Mangelgeburt: Ein zeitlich ausgetragendes, aber unreifes und untergewichtiges Baby (Geburtsgewicht unter 2500 Gramm) wird als Mangelgeburt bezeichnet. Durch eine Beeinträchtigung der Plazentafunktion ist es in seinem Wachstum zurückgeblieben. Eine Plazentainsuffizienz entsteht unter anderem bei unzureichender Blutzufuhr von der Mutter zur Plazenta als Folge von zu hohem Blutdruck oder bei einer EPH-Gestose, bei Diabetes, Übertragung des Kindes, Nikotinmißbrauch, Mehrlingsschwangerschaft. Disponierend dafür ist auch ein fortgeschrittenes Alter der werdenden Mutter.
Zustand nach 2 oder mehr Aborten/Abbrüchen: Nach 2 Fehlgeburten ist das Risiko einer weiteren Fehlgeburt erhöht. -.
Totes/ geschädigtes Kind in der Anamnese: Kindliche Todesfälle oder Schädigungen können nach Infektionskrankheiten auftreten, die eine werdende Mutter zum ersten Mal in der Schwangerschaft durchmacht (z.B. Toxoplasmose, Röteln, Zytomegalie, Herpes). Manchmal beruhen die Todesfälle auf einem erblichen Defekt in den Genen. In einer genetischen Beratungsstelle kann man abschätzen, ob Sie Trägerin eines erblichen Defektes sind und wie groß ggf. das Risiko für die jetzige Schwangerschaft ist. - Die Schwangerschaft wird besonders intensiv überwacht, ggf. sind besondere Untersuchungen notwendig.
Komplikationen post partum: Komplikationen nach der Geburt sind z.B. Störungen bei der Lösung und/oder Ausstoßung der Plazenta, schwere Nachgeburtsblutungen durch ausbleibende Uteruskontraktion (atonische Blutung), Verletzung der Geburtswege oder Blutgerinnungsstörungen.
Zustand nach Sectio/ Uterusoperation: Bei einer vorausgegangenen Schnittentbindung oder Gebärmutteroperation sind Narben entstanden, die evtl. die Dehnungsfähigkeit des Uterus schwächen oder den Kontraktionen unter der Geburt nicht standhalten. Dem muß der Arzt seine besondere Aufmerksamkeit schenken.


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Terminbestimmung
Ovulationshemmer eingenommen bis: Gemeint ist die Antibabypille, nach deren langjähriger Anwenung als Verhütungsmittel es gelegentlich zu Zyklusstörungen kommt, was sich durch unregelmäßigen Eisprung, unregelmäßige Blutungen oder Ausbleiben der Menstruation bemerkbar macht. Dadurch kann die Bestimmung des Geburtstermins schwierig sein.
Konzeptionstermin: Mit dem Tag der Empfängnis (Konzeption) beginnt die Schwangerschaft, sie dauert von diesem Datum an durchschnittlich 266 Tage. Wenn an Hand von regelmäßigen Temperaturmessungen der Tag es Eisprungs ermittelt wurde oder der Zeitpunkt des Entstehens der Schwangerschaft genau bekannt ist, ist auch der Konzeptionstermin bekannt und die Berechnung des Schwangerschaftsalter wesentlich genauer.

Besondere Befunde im Schwangerschaftsverlauf
Dauermedikation: Sollten Medikamente zur Behandlung einer Krankheit unbedingt erforderlich sein (z.B. Herz-/Kreislaufmittel, Insulin für Diabetes, Schilddrüsenhormone, Antibiotika bei Infektionen), muß die Therapie auch in der Schwangerschaft fortgesetzt werden. Es gibt allerdings Präparate, die für das Ungeborene gesundheitsschädlich sind. In diesem Fall wird der Arzt auf Medikamente ausweichen, die keine Gefährdung für das Kind mit sich bringen.
Abusus: Frauen die regelmäßig Alkohol trinken, haben nicht nur ein erheblich höheres Risiko für Fehl-, Früh- und Totgeburten, sie bringen auch häufig untergewichtige, geistig und körperlich geschädigte Kinder zur Welt. Frauen die regelmäßig rauchen, deren Kinder bleiben in Ihrem Wachstum zurück und/oder sie werden vor der Zeit geboren. Noch im Schulalter ist ihre Entwicklung gegenüber Altersgenossen beeinträchtigt.
Blutungen vor der 28.SSW: Bei Blutungen in den ersten 27 Wochen der Schwangerschaft muß an eine drohende oder beginnende Fehlgeburt gedacht werden.
Blutungen nach der 28. SSW: Blutungen in dieser Zeit können eine drohende Frühgeburt ankündigen oder durch einen falschen Sitz der Plazenta oder eine vorzeitige Lösung der normalsitzenden Plazenta hervorgerufen werden.
Placenta praevia: "Vorgelagerte Plazenta", der Mutterkuchen liegt vor dem Kind am inneren Muttermund und versperrt den normalen Geburtsweg.
Mehrlingsschwangerschaft: Zwillinge, Drillinge usw. sind Risikoschwangerschaften und -geburten, die häufiger mit einer vorzeitigen Entbindung enden. Die Belastung für die werdende Mutter ist größer, Schwangerschaftsbeschwerden treten verstärkt auf und die Komplikationsrate (z.B. EPH-Gestose, Plazentainsuffizienz) ist erhöht.
Hydramnion: Eine Vermehrung des Fruchtwassers (über 2 Liter) kann in Verbindung mit einer kindlichen Mißbildung stehen.
Oligohydramnie: Eine zu geringe Menge von Fruchtwasser findet sich ebenfalls aufgrund verschiedener Ursachen, geht aber nicht selten mit Anomalien der kindlichen Nieren und ableitenden Harnwege einher.
Terminunklarheit: Der voraussichtliche Geburtstermin läßt sich nicht genau ermitteln, weil exakte Angaben über den ersten Tag der letzten Periode nicht möglich sind (z.B. wegen menstruationsähnlicher Blutungen in der Frühschwangerschaft), oder das errechnete Schwangerschaftsalter stimmt nicht mit den Untersuchungsbefunden überein.
Plazentainsuffizienz: Aufgrund verschiedener Ursachen kann es zu einer Mangeldurchblutung und damit zu einer Funktionsschwäche des Mutterkuchens kommen. Eine chronische Unterversorgung des Fetus mit Nährstoffen und Sauerstoff hat eine Entwicklungsstörung mit Untergewicht und Wachstumshemmung zur Folge. Eine Plazentainsuffizienz tritt häufiger auf bei: Mehrlingsschwangerschaften; Gestose oder Diabetes der Mutter; untergewichtigen, schlecht ernährten oder rauchenden Müttern.
Isthmo-zervikale Insuffizienz: Bei einer Gebährmutterhalsschwäche öffnet sich, meist nach der 12. SSW, der Muttermund ohne spürbare Wehentätigkeit. Sie ist häufig eine Ursache für Spätaborte.
vorzeitige Wehentätigkeit: Ein gelegentliches Ziehen im Unterleib ist während der frühen Schwangerschaft auf das Wachstum der Gebärmutter zurückzuführen, ein zeitweiliges Hartwerden des Bauches in der Regel auf harmlose Uteruskontraktionen (Übungswehen, Senkwehen). Haben Sie einen Einfluß auf den Gebärmutterhals (Verkürzung des Gebärmutterhalses, Öffnung), handelt es sich um vorzeitige Wehen.
Anämie: Weil der Eisenbedarf in der Schwangerschaft ansteigt und oft nicht gedeckt wird, entsteht manchmal eine echte Eisenmangelanämie, die sich in einem Absinken des Hämoglobinwertes (normal: 12-14 g/100 ml); vermindert: unter 10g/100 ml zeigt. Bei einer unbehandelten Anämie leidet das Körpergewebe von Mutter und Kind an Sauerstoffmangel, daraus resultieren eine größere Fehl- und Frühgeburtenrate, eine höhere Säuglingssterblichkeit.
Harnwegsinfektion: In der Schwangerschaft kommt es infolge der hormonellen Weitstellung der Harnleiter, durch den Druck des wachsenden Uterus sowie durch die gesteigerte Durchlässigkeit des Körpergewebes für Keime eher zu einer Infektion der Blase sowie der Nieren und des Nierenbeckenbodens (Pyelonephritis). Insbesondere die Pyelonepritis kann in ein chronisches Stadium mit der Gefahr eines Nierenversagens übergehen.
Indirekter Coombstest positiv: Dies ist ein speziellerSuchtest nach Antikörpern im mütterlichen Blut, die aufgrund einer Sensibilisierung durch unterschiedliche Blutgruppen entstanden sind.
Risiko aus anderen serologischen Befunden: Hier trägt der Arzt gegegenenfalls einen Vermerk ein, wenn beispielsweise ein Befund aus einem Toxoplasmose-Antikörpertest oder Hepatitis B Antikörpertesvorliegt.
AFP-Bestimmung: Der vom Feten gebildete Eiweißstoff Alpha-Fetoprotein läßt sich (außer im Fruchtwasser) auch im mütterlichen Blutserum nachweisen. Eine regelwidrige AFP-Konzentration kann Hinweis auf das Vorliegen einer kindlichen Fehlbildung (Neuralrohrdefekt, Nabelschnurbruch, Speisenröhrenverschluß, Nierenmißbildung) oder einer Chromosomenstörung (Trisomie 21 = Mongolismus) geben. Der AFP-Wert hat für sich allein aber nur beschränkte Aussagekraft. Auffällige Befunde müssen durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden.
Hypertonie: Hoher Blutdruck (Blutdruckwerte über 140/90 mm Hg) ist krankhaft, und geht mit einem erhöhten Risiko für das ungeborene Kind einher. so daß eine Fehlgeburt, Frühgeburt, Mangelgeburt durch Plazentainsuffizienz. . Bluthochdruck ist - neben Ödemen und Eiweißausscheidungen - das häufigste und wichtigste Symptom einer schwangerschaftsspezifischen Erkrankung, und besonders bedenklich, wenn er vor der 28.SSW auftritt. Sie muß behandelt werden.
Gestationsdiabetes: Gemeint ist eine Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft das erste Mal auftritt.

Mutterpass ABC 2

© Herbert Wagner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
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